Bericht: Wado Ryu Lehrgang – Kids Special

Bericht: Wado Ryu Lehrgang – Kids Special

Hintere Reihe: Egehan, Kerem, Eren
Mittlere Reihe: Aida, Liza, Hasan, Sascha
Vordere Reihe: Charlotte, Emre, Arian

Zu meiner Zeit gab es solche Lehrgänge nicht oder ich habe nichts davon gehört. Ein Karate-Lehrgang für Kinder. Vermutlich hätte ich mich damals eh davor gedrückt, wenn ich gewusst hätte, dass der Lehrgang vier volle Stunden geht. Mit dieser Gewissheit tastete ich mich Wochen vorher an unsere Kinder ran, um sie für den Lehrgang anzuwerben. Schnell wurde mir klar, dass für die Kindern die relativ lange Trainingszeit kein Hindernis darstellte. Schnell sagten einige unserer jungen Sportler zum Lehrgang zu – vermutlich, weil sie auch wussten, dass unteranderem Christina Gutz mir die 1. Dan-Prüfung abgenommen hatte. Mit dieser Vorfreude warteten die Kinder bis zum Tag vom Lehrgang.

Wir trafen uns mit zehn unserer kleinen Sportler in der Sporthalle der Miriam-Makeba-Schule, das auch für das Kadertraining der Berliner Kumite-Wettkämpfer genutzt wird. Geführt sollte der Lehrgang von Christina Gutz, Murat Salbas und Yasin Karaca. Vorgestellt hatte ich es mir, dass Christina das traditionelle Karate vertiefen wird, während sich Murat und Yasin als eingespieltem Team im Bereich Kumite bewegen. Der Lehrgang wurde gut strukturiert, um während der Übungen die volle Aufmerksamkeit der Kinder zu haben. Ausreichend Pausen und Trainingseinheiten von je 45 Minuten. Der Lehrgang war ordentlich besucht. Kinder aus verschiedenen Vereinen aus Berlin. Vom Weiß- bis zum Grüngurt.

Zanshin: Die Wachsamkeit
Maai: Die Distanz

Nach einer Aufwärmung mit kleinen Spielchen führte Christina die nachfolgenden Übungen für das Gemeinschaftstraining. Dabei versuchte sie den Kindern zu vermitteln, was der Ursprung und die Philosophie vom Karate ist. Wieso bewegt man sich im Karate so – so wie man sich bewegt? Erläuterung von Konzepten aus den japanischen Kampfkünsten. Begriffe wie Zanshin und Maai. Der Begriff Zanshin steht förmlich für Wachsamkeit, Geistesgegenwart und Bereitschaft. Aufmerksam hörten die Kinder zu und verinnerlichten die Worte von Christina, was auch am Verhaltensart der Kinder während der nachfolgenden Grundübungen zu erkennen war.

Nach einer kurzen Pause wurden die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt. Anders könnte man den Lehrgang von ca. 60 Kindern nicht führen. Die Gruppe von Christina fokussierte sich anfangs auf die Grundtechnike Gedan Barai und Junzuki, um anschließend Partnerübungen mit den Techniken zu praktizieren. Christina setzte großen Wert darauf, dass die Kinder bei den Partnerübungen den Sinn von Maai verstehen. Die korrekte Distanz der Technik zum Ziel. Abgeschlossen wurde die Trainingseinheit von Christina mit der Kata Taikyoku Shodan. Interessant war es anzusehen, wie Christina die Laufwege der Kata in Himmelsrichtungen definierte, um so den Kindern die Orientierung zu erleichtern.

Gemäß dem Zeitplan gab es nun ein weiteres Gemeinschaftstraining. Geleitet wurde der erste Teil von Murat. Mit über ca. 60 Kinder im Kihon aufgestellt, schnappten sich die Kinder mit dem Mawashigeri nach vorne, um nachhinein mit derselben Fußtechnik sich nach hinten zu bewegen. Bevor sich die Kinder zur Dehnung ranmachten, gab es eine kurze Koordinationsübung. Paarweise verteilt im Raum stützten sich die Kinder jeweils an der Schulter vom Partner ab, um die Koordination beim Mawashigeri zu meistern.
Anschließend tastete sich Christina an den Fußtritt Maegeri ran. Um den Kindern zu vermitteln, dass der Fußtritt Maegeri mit dem Fußballen getroffen wird, gab es eine Gefühlsübung für diesen Bereich. Dabei sollten die Kinder ihre Zehen anziehen und mit ihren Fußballen auf die Matten hämmern. Geachtet wurde unter anderem auch, dass die Kinder während des Maegeris die richtige Körperhaltung haben. Nach anfängerfreundlichen Übungen zum Maegeri, sollten die Kinder nun den Fußtritt am Partner üben. Auf die Nachfrage von den Kindern, ob sie den Gegner mit dem Fuß am Karate-Gi berühren sollen – weil sie den Karate-Gi beschmutzen würden, erklärte Christina den Kindern, warum der Karate-Gi Weiß. Im Groben soll es die Reinheit, Gleichheit und die Einfachheit darstellen.

Während der nächsten Pause waren bereits mehr als zwei Stunden vom Lehrgang vergangen und ich erlebte unsere Kinder immer noch in fröhlicher und trainingswilliger Verfassung. Mit abwechslungsreichen Übungen hielten die Trainer die Aufmerksamkeit und mit kleinen Spielchen den Spaß der Kinder beim Lehrgang.

Anschließend wurde die Trainingsgruppe wieder geteilt und ich verfolgte das Training von Murat und Yasin. Die beiden Trainer zeigten den Kindern Basisbewegungsübungen und die Grundtechnike für das Kumite. Vorwärts Step-Bewegung gefolgt vom Kizamizuki. Rückwärts Step-Bewegung gefolgt vom Gyakuzuki. Nach paar Stretching-Übungen trainierten die Kinder paarweise den Jakuzuki-Konter. Dabei sollte der eine Partner nach vorne pushen, während der andere Partner ihn mit dem Jakuzuki abfängt.
Nachhinein sollte der Jakuzuki als Angriff verhindert werden. Dabei sollte der eine Partner die Angriffslinie mit einer Step-Bewegung verlassen, um danach mit einer Folgetechniken zu Punkten. Zum Abschluss wurde noch im Rahmen vom Kumite der Mawashigeri Jodan und der Uramawashigeri Jodan am Partner geübt.

Mit einem gemeinschaftlichen Abgrüßung wurde der Lehrgang auch beendet. Die vier Stunden waren um. So schnell verflog dann doch die Zeit. Die Kinder waren erfreut über den Lehrgang und freuen sich auf das nachfolgende interne Training, um das neue Wissen an die anderen Schüler des Karate Club Weddings weiterzugeben.

Wir bedanken uns vielmals bei den Ausrichtern und Helfenden des Lehrgangs.

Veröffentlicht am: 10.11.2019